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Wissenswertes

Buchtipp, Wissenswertes

Buchtipp „Gebrauchsanweisung für China“

Kai Strittmatter ist vermutlich einigen als China-Korrespondent u.a. des Tages-Anzeigers bekannt. Unterdessen ist er allerdings zurück in Europa und berichtet aus Dänemark über Skandinavien. Auf meine Frage, wie er das im Vergleich mit China doch eher träge Europa überhaupt aushalte, meinte er, dass er seinen Kindern die Luftverschmutzung in Shanghai nicht länger zumuten wollte. Und viele Jahre China seien dann doch irgendwann auch genug.

Als Auslands-Korrespondent ist man zudem der Zensur und überhaupt der behördlichen Überwachung dauernd ausgesetzt. Davon können auch andere Medienschaffende ein Lied singen. Übrigens steht auch die Webseite der NZZ unter Vollzensur und kann nur mit VPN gelesen werden. Der Tagi ist nicht zensiert.

Wen es interessiert, kann hier nachschauen, welche Webseiten in welchen Provinzen gesperrt sind:

Blocked in China

 

Buchtipp, Wissenswertes

Die Region Chongqing

Ich habe soeben eine tolle Biographie über Joseph Needham gelesen („The man who loved China“ von Simon Winchester). Needham (1900 – 1995) war ein englischer Wissenschaftler in Cambridge, der über eine chinesische Mitarbeiterin den Zugang zu China bekam und ein feuriger Anhänger Chinas wurde. In einer umfangreichen Buchserie wollte er alle Sachen aufzeigen und beschreiben, die China lange vor dem Westen erfunden und benutzt hat. Und deren sind viele; die Serie ist unterdessen bereits 28 Bände stark!

Während des zweiten Weltkrieges war er aufgrund seiner guten China-Kenntnisse (Land und Sprache) für die UK in China, und zwar in Chongqing. Da ich von Chongqing noch nie etwas gehört hatte, recherchierte ich auf Wikipedia ein bisschen über diese Stadt:

1891 wurde Chongqing als erster Inlandshafen in China unter dem Druck Grossbritanniens und Japans für den Aussenhandel zwangsweise geöffnet (man beachte seine Lage, siehe Photo).

Während des Japanisch-Chinesischen Krieges (2. Weltkrieg) zog sich die Führung von Chiang Kai-shek nach Chongqing zurück. Chongqing blieb bis zum Ende des zweiten Weltkrieges die Kriegshauptstadt Chinas. Sie hatte damals ca. 500’000 Einwohner.

1997 wurde die Stadt von der Provinz Sichuan losgelöst und in eine der vier direkt der Zentralregierung unterstellten Städte umgewandelt. Die anderen drei sogenannten regierungsunmittelbaren Städte sind Beijing, Shanghai und Tianjin. Das Ziel war die Entwicklung Westchinas. Viele der rund 1.4 Millionen Menschen, die bis 2007 beim Bau des Drei-Schluchten-Damms umgesiedelt worden sind, wohnen in Chongqing.

Heute gilt Chongqing einwohnermässig als grösste Stadt (inkl. Agglomeration) der Welt! Die Luftverschmutzung muss legendär sein, wozu nicht zuletzt auch das Klima beiträgt: Rund 100 Nebeltage gibt es in Chongqing pro Jahr. Zudem zählt Chongqing zu den vier Sommer-„Glutöfen“ Chinas. Dazu zählen heutzutage Chongqing, Fuzhou, Hangzhou und Nanchang. Früher galt auch Nanjing im Sommer als einer dieser Glutöfen, aber der Klimawandel hat das unterdessen geändert.

Die Stadt hat heute über 30 Millionen Einwohner und ist flächenmässig ungefähr gleich gross wie Oesterreich. Man vergleiche: Oesterreich hat rund 9 Millionen Einwohner.

Unglaublich, diese Superlativen.  Und bis zu diesem Buch hatte ich noch nie davon gehört… shame on me!

Wissenswertes, Yangshuo

Traditionelles Kunsthandwerk

Als bisher einzigen Luxus habe ich mir eine wunderschöne, nicht ganz günstige Tee-Tasse gekauft. Und konnte dem Produkt dank einer ehemaligen Mitstudentin, die sich sehr für chinesische Traditionsprodukte interessiert, nachgehen:

Es gibt im Osten Chinas die Stadt Jingdezhen 景德镇, die DAS Porzellan-Mekka Chinas ist. Meine schöne Tasse kommt auch von dort, und unterdessen bin ich sogar mit dem Chef dieser Firma per WeChat verbunden… Meine Kollegin war die ganze letzte Woche dort und hat mir unzählige Fotos von wirklich unglaublich schönen Sachen geschickt. Man kann dort für gewisse Artikel locker ein grosses Vermögen ausgeben. Die qualitativ guten Sachen werden alle in Handarbeit hergestellt! Ich hoffe, dass VPN heute funktioniert, damit ich zwei Videos hochladen kann.

Leider verschwinden die lokalen Fähigkeiten für diese wunderschönen Kunstwerke immer mehr. So ist es heute oftmals schon so, dass man für die traditionellen, chinesischen Kleider Seide aus Japan verwendet, weil in China die Skills verloren gegangen sind. Und aus Kostengründen werden viele Stickereien heutzutage in Nordkorea auf die berühmte Suzhou-Seide aufgetragen. Die chinesischen Löhne sind dafür bereits zu hoch. Kein Witz!

Ein Beispiel aus Jingdezhen

Vase in Jingdezhen

Teller aus Jingdezhen

Dieses Bild gefiel mir besonders gut. Kostenpunkt: 1 Million RMB (= ca. CHF 140’000)

Mein neues Tassli. Handgefertigt

Die Innenseite des Tasslis

Auszug aus eine Vase aus Jingdezhen. Die hätte ich auch gerne, sie kostet leider zu viel. So benutze ich das Bild halt als WeChat-Wallpaper…

Das ist doch einmalig schön!!!

Diente als Inspiration und Vorlage für das berühmte Delfter Blau

 

Wissenswertes, Yangshuo

Chinesische Zeichen schreiben

Die heutige Hausaufgabe war es, einen Brief zu schreiben. Diese Kästli (siehe Bild) sind super hilfreich, damit die Zeichen einigermassen (mit Betonung auf einigermassen…) ähnlich gross ausfallen. Aber diese Kästli gibt es natürlich nur in Schulbüchern und -heften.

Ich bin ja ein Fan von und habe keine Probleme mit gleichmässig schreiben. Aber bei den Zeichen bringe ich es fast nicht hin. Denn einige haben nur wenige Striche – zum Beispiel 人 (= Mensch = 2 Striche). Andere jedoch deren viele – zum Beispiel 赢 (= gewinnen = 17 Striche!) und das sollte dann beides gleich gross werden. Aber man weiss ja, Übung macht die Meisterin…

Die Striche kann man natürlich nicht einfach nach eigenem Gusto hinkritzeln, sondern dafür gibt es ganz klare Regeln, was die Striche selber und die Reihenfolge, in der man sie schreibt, betrifft. Es gibt 24 Striche, davon sind 8 die wichtigsten (siehe Auszug aus www.suxiaqin.de).

PS an Joyce und an Tini: Der Text ist noch nicht korrigert von meiner Lehrerin; er hat also ganz sicher noch Fehler drin.

Dali, Wissenswertes

Dali-Marmor

Das Cangshan-Gebirge bei Dali ist berühmt für seinen Marmor. Schon seit der Tang-Dynastie (617 bis 907) wird hier Marmor abgebaut. Marmor heisst aufgrund dieser frühen Bekanntheit auf Chinesisch 大理石. 大理 = Dali / 石 = Stein. Gemäss Wikipedia bildet Marmor auch heute noch eine wichtige Einkommensquelle für die Region.

Dank dem Tipp meiner Hotelbesitzerin/Freundin ging ich ins Marmor-Museum, wo ich die einzige Besucherin war. So konnte ich all die wunderschönen Marmorarbeiten in Ruhe geniessen. Es ist unglaublich, wie vielfältig Marmor ist. Und wie sehr es das betrachtende Auge glauben lässt, dass man vor einer Malerei sitze! Aber es ist alles „nur“ Stein. Zum Glück für mein Portemonnaie ist Marmor so schwer und definitiv ungeeignet fürs Handgepäck…

Schule, Wissenswertes

Chinesisch lernen ist (immer noch) schwer

Es begann damit, dass ich die chinesischen Bezeichnungen für die wichtigsten Körperteile lernen wollte… Und als Hausaufgabe nahm ich mir streberhaft vor, die dazu gehörigen Zähleinheitswörter (ZEW) herauszusuchen. Ihr erinnert Euch: Auf Chinesisch heisst es nicht „ein Buch“, sondern „ein Stück Buch“. Und das Wort für „Stück“ ändert immer, je nach dem, wovon man spricht. Ein paar Beispiele:

yi ben shu (yi = 1, ben = ZEW für Bücher, shu = Buch)

yi wei lao shi (yi = 1, wei = ZEW für Lehrer, lao shi = Lehrer)

yi ge ren (yi = 1, ge = ZEW für alles, was kein eigenes ZEW hat, ren = Person)

Es wird also recht kompliziert, wenn man zum Beispiel Haare beschreiben will: „Ein Haar“ hat ein anderes ZEW als „ein Büschel Haare“, und ein anderes ZEW als „die Haare“, usw. Und dann wird noch unterschieden, ob man es mündlich oder schriftlich nutzt, denn das kann auch noch unterschiedlich sein…

ES IST KOMPLEX! 🙂

Wissenswertes, Xi'an

Terrakotta-Armee

Die Terrakotta-Armee ist wirklich sehr beeindruckend! Aktuell sind erst rund 2’000 Figuren (Offiziere, Krieger, Pferde, Wagen) ausgegraben, vermutet werden gesamthaft rund 8’000 Figuren. Das Faszinierendste an den Figuren ist, dass alle unterschiedlich gestaltet sind. Es gibt dicke, dünne, grosse und kleinere Männer mit den unterschiedlichsten Frisuren, Kleidern und Kopfbedeckungen.

Ursprünglich waren die Figuren mit Farben bemalt: Die Farben lösten sich aber bei den Ausgrabungen auf, sobald sie mit der Luft in Berührung kamen. Darum hat man dann irgendwann damit aufhört, die Gräben weiter zu öffnen. Bei einigen hat man unterirdisch weitergegraben, bei anderen wartet man noch vollständig mit der Ausgrabung, bis man Mittel gefunden hat, wie die Farben trotz Ausgrabung erhalten bleiben können. Siehe Fotos.

Das Zusammensetzen der Figuren(-teilchen) ist sehr zeitaufwändig und nur für Menschen mit vieeeeeel Geduld gemacht.

Wissenswertes, Xi'an

Ausgrabungsstätte in Xi’an 西安

Nach Xi’an geht man natürlich hauptsächlich wegen der Terrakotta-Armee. Mirta und ich haben dank des Kontaktes einer Schweizer Kollegin (danke, Monika!) für zwei Tage eine lokale Reiseleiterin gebucht. Mit ihr beginnen wir – natürlich – bei der Ausgrabungsstätte.

Die riesige Anlage ist das Mausoleum des ersten chinesischen Kaisers Qin Shihuangdi und der Ort der Anlage war seit langem bekannt. Aber die heute weltberühmten Terrakotta-Armee wurde erst 1974 per Zufall von Bauern der Gegend entdeckt, die dort einen Brunnen bohren wollten.

Qin muss über ein riesiges Ego verfügt haben: Er bestieg mit 13 Jahren den Thron und gab schon kurz danach den Bau des Mausoleums in Auftrag. Xi’an war übrigens die Hauptstadt von 13 verschiedenen Kaiserdynastien.

Es hat Nachteile, wenn man klein ist…

Die riesige Halle über dem Ausgrabungs-Feld Nr. 1

Wissenswertes

App-Unterstützung beim Chinesisch lernen

Sprachen lernen funktioniert heutzutage natürlich nicht mehr mit der Zetteliwirtschaft, wie ich sie anno domini noch beim Französisch- und Englisch-Voci-Lernen benutzte. Ich habe eine tolle App, in der ich alle Zeichen meiner Schulbücher (und natürlich auch alle anderen) downloaden kann. Und – ganz wichtig: Man sieht auch, wie das Zeichen geschrieben wird. Denn wie bei unseren Buchstaben gibt es eine klare Regelung, in welcher Reihenfolge welche Striche geschrieben werden müssen. Das kurze Video zeigt Euch, wie das in der App funktioniert. Das Wort, das dort gezeigt wird, ist natürlich rein zufällig gewählt…

Trainchinese App

Aber ich muss auch viel schreiben, damit mir die Zeichen in Erinnerung bleiben. Diese Woche habe ich mal die Schweiz beschrieben (siehe Bild). Fürs Schreiben brauche ich noch lange und muss viele der Zeichen nachschauen. Aber es macht mir riesig Spass. Und jetzt – in der dritten Woche – habe ich auch endlich das Gefühl, dass es vorwärts geht mit den Sprachkenntnissen. Auch wenn ich zwischendurch doch immer wieder denke, diese Sprache kann man NIE lernen (also vor allem die Zeichen). Ich bleibe dran…

@ Tini: Du bist und bleibst mein grosses Vorbild! Ohne Dich hätte ich niemals begonnen, Chinesisch zu lernen. Und auch meine Lehrerin hätte ich nicht gefunden. Und ich wäre nie in Yangshuo gelandet. Und die App würde ich auch nicht kennen. Also auch auf diesem Weg noch einmal ein grosses

谢谢.

Wohlverdientes Znacht mit meiner Lehrerin. Und ich habe mal wieder übertrieben mit dem Chiliöl darüber giessen… ?

In der App sortiere ich die Zeichen nach Lektionen

Die App zeigt den Fortschritt (auf „fully learned“ stelle ich nur die, die ich auch im Schlaf lesen und schreiben könnte…)

Meine Hausaufgaben

 

 

Wissenswertes

Chinesische Namen

Im chinesischen und im japanischen Kulturraum wird der Familienname immer zuerst genannt, und erst dann der Vorname. Dies folgt dem Prinzip „zuerst das Grosse, dann das Kleine“. Im Westen, wo das Individuum an erster Stelle steht, und erst dann die Gruppe kommt, ist das naturgemäss umgekehrt. Und meistens (aber nicht ganz immer) besteht ein Name aus drei Zeichen: Das erste Zeichen ist der Familienname, und das zweite und das dritte Zeichen zusammen sind der Vorname. Und für die Klugsch… unter uns (ich bin auch einer): Somit ist es also falsch, vom chinesischen Staatspräsidenten als „Jin Ping“ zu sprechen/schreiben, wenn man seinen Nachnamen meint.

Gut erkennen kann man dieses Prinzip übrigens auch bei der chinesischen Art, eine Adresse zu schreiben: Zuoberst kommt das Land, dann die Provinz, dann der Ort, dann die Strasse, und zuletzt der Name des Empfängers. Eigentlich ist das ja viel schlauer, denn wenn man den Brief aufgibt, interessiert die Post diese Informationen ja genau in dieser Reihenfolge.

Beim japanischen Präsidenten wurde diese Anpassung an die westliche Welt schon früh gemacht, weshalb er bei uns „korrekt“ (resp. nach unserem Modell) Shinzo Abe heisst (Abe = sein Nachname). In der NZZ vom 25.5.2019 hat Patrick Zoll zu diesem Thema einen interessanten Artikel publiziert:

Artikel NZZ 25052019