Am Freitag fand in China das Mittherbstfest statt: Auf Chinesisch 中秋节 (das Zeichen 中 kennt Ihr ja jetzt bereits, es heisst „zhong“ und bedeutet Mitte). Dieser Feiertag; resp. es sind drei Tage, ist nach dem spring festival (das im Westen meistens „Chinese New Year“ genannt wird) der zweitwichtigste Feiertag in China. Typischerweise isst man an diesem Tag (und vorher und nachher…) sogenannte moon cakes: Das sind kleine, runde Dinger mit einer Füllung, wovon es unzählig verschiedene gibt. Jedes Dorf, ja manchmal sogar jede Familie haben ihre eigenen Spezialitäten. In der Schule haben wir in der Culture Class sogar selber moon cakes gemacht!
Das 中秋节 findet immer am 15. Tag des achten Monats des chinesischen Mondkalenders statt. Dieses Jahr eben am 13. September. Und es ist dann immer Vollmond, daher die moon cakes. Der Mond hat in der chinesischen Kultur eine sehr grosse Bedeutung. Er kommt darum auch in unzähligen Gedichten von berühmten Poeten vor.
In Yangshuo waren an diesem Tag fast alle Geschäfte geschlossen (ein äusserst ungewohnter Anblick!), nur die Lehrkräfte von Omeida (meiner Schule) mussten arbeiten… Wie bei jedem Feiertag in Asien gehört natürlich zur Tradition, dass man sich mit der Familie trifft und zusammen isst.
Die Herkunft der moon cakes basiert auf einer Geschichte, die in Kurzform so geht: Die Menschen leiden unter zehn starken Sonnen (weil alles verdorrt und man darum Hunger leidet) und Hou Yi schiesst neun davon vom Himmel und befiehlt der zehnten, ab sofort täglich pünktlich auf- und unter zu gehen. Hou Yi heiratet dann Chang’e und Hou Yi erhält von der Himmelsgöttin einen Zaubertrank, den er gut aufbewahren soll (denn er macht unsterblich). Ein Verräter will bei Abwesenheit von Hou Yi diesen Zaubertrank klauen, Chang’e verhindert dies aber, in dem sie ihn trinkt. Und das kostet sie ihr Leben und sie schwebt in den Himmel. Hou Yi ist zu Tode betrübt, denn er liebte Chang’e sehr. Die Himmelsgöttin erlaubt Chang’e, fortan auf dem Mond zu leben, damit Hou Yi sie wenigstens aus der Ferne anschauen kann. Zum Trost gegen seine Trauer backen ihm seine Nachbarn kleine Küchlein, die wie der Vollmond aussehen. Und so entstand also die Tradition der moon cakes…
























