Ein äusserst unterhaltsames Buch von Stephan Orth, der in vielen verschiedenen Provinzen und Städten Chinas versucht hat, privat zu übernachten. Er hat viele spannende Sachen erlebt und man lernt dabei auch ganz andere Seiten Chinas kennen.
Buchtipp
Kai Strittmatter ist vermutlich einigen als China-Korrespondent u.a. des Tages-Anzeigers bekannt. Unterdessen ist er allerdings zurück in Europa und berichtet aus Dänemark über Skandinavien. Auf meine Frage, wie er das im Vergleich mit China doch eher träge Europa überhaupt aushalte, meinte er, dass er seinen Kindern die Luftverschmutzung in Shanghai nicht länger zumuten wollte. Und viele Jahre China seien dann doch irgendwann auch genug.
Als Auslands-Korrespondent ist man zudem der Zensur und überhaupt der behördlichen Überwachung dauernd ausgesetzt. Davon können auch andere Medienschaffende ein Lied singen. Übrigens steht auch die Webseite der NZZ unter Vollzensur und kann nur mit VPN gelesen werden. Der Tagi ist nicht zensiert.
Wen es interessiert, kann hier nachschauen, welche Webseiten in welchen Provinzen gesperrt sind:
Ein tolles Buch für alle, die interessiert sind an den aktuellen chinesischen Grossfirmen. Und ehrlich gesagt müssten das eigentlich alle sein, denn diese Firmen haben heute schon auch auf unser Leben einen grossen Einfluss, und der wird nicht weniger werden in Zukunft.
Sehr gut geschrieben und sehr aktuell. Ich hatte nach der Lektüre dem Autor geschrieben und bin seither in Email-Kontakt mit ihm. Ein sehr spannender Mensch, der viel über China weiss.
Ich habe soeben eine tolle Biographie über Joseph Needham gelesen („The man who loved China“ von Simon Winchester). Needham (1900 – 1995) war ein englischer Wissenschaftler in Cambridge, der über eine chinesische Mitarbeiterin den Zugang zu China bekam und ein feuriger Anhänger Chinas wurde. In einer umfangreichen Buchserie wollte er alle Sachen aufzeigen und beschreiben, die China lange vor dem Westen erfunden und benutzt hat. Und deren sind viele; die Serie ist unterdessen bereits 28 Bände stark!
Während des zweiten Weltkrieges war er aufgrund seiner guten China-Kenntnisse (Land und Sprache) für die UK in China, und zwar in Chongqing. Da ich von Chongqing noch nie etwas gehört hatte, recherchierte ich auf Wikipedia ein bisschen über diese Stadt:
1891 wurde Chongqing als erster Inlandshafen in China unter dem Druck Grossbritanniens und Japans für den Aussenhandel zwangsweise geöffnet (man beachte seine Lage, siehe Photo).
Während des Japanisch-Chinesischen Krieges (2. Weltkrieg) zog sich die Führung von Chiang Kai-shek nach Chongqing zurück. Chongqing blieb bis zum Ende des zweiten Weltkrieges die Kriegshauptstadt Chinas. Sie hatte damals ca. 500’000 Einwohner.
1997 wurde die Stadt von der Provinz Sichuan losgelöst und in eine der vier direkt der Zentralregierung unterstellten Städte umgewandelt. Die anderen drei sogenannten regierungsunmittelbaren Städte sind Beijing, Shanghai und Tianjin. Das Ziel war die Entwicklung Westchinas. Viele der rund 1.4 Millionen Menschen, die bis 2007 beim Bau des Drei-Schluchten-Damms umgesiedelt worden sind, wohnen in Chongqing.
Heute gilt Chongqing einwohnermässig als grösste Stadt (inkl. Agglomeration) der Welt! Die Luftverschmutzung muss legendär sein, wozu nicht zuletzt auch das Klima beiträgt: Rund 100 Nebeltage gibt es in Chongqing pro Jahr. Zudem zählt Chongqing zu den vier Sommer-„Glutöfen“ Chinas. Dazu zählen heutzutage Chongqing, Fuzhou, Hangzhou und Nanchang. Früher galt auch Nanjing im Sommer als einer dieser Glutöfen, aber der Klimawandel hat das unterdessen geändert.
Die Stadt hat heute über 30 Millionen Einwohner und ist flächenmässig ungefähr gleich gross wie Oesterreich. Man vergleiche: Oesterreich hat rund 9 Millionen Einwohner.
Unglaublich, diese Superlativen. Und bis zu diesem Buch hatte ich noch nie davon gehört… shame on me!




